Weitere Angehörige fordert Besuchsrechte, Transparenz und Freilassung

Eine weitere Angehörige eines Gefangenen aus der JVA Untermaßfeld hat mit den GG/BO-Soligruppen Kontakt aufgenommen und bestärkt die Forderungen der Gefangenen- und Solidaritätsbewegung: Rücknahme der Besuchsverbote, Transparenz gegenüber den Gefangenen und ihren Angehörigen und eine Freilassung der Gefangenen. Wir geben ihren Brief im Folgenden wieder:

Da sich leider noch keine Besserung der aktuellen Situation in Untermaßfeld ereignet hat, ist logischerweise bei fast jedem Telefonat „Corona“ das Thema. Demnach sind mir erneut Probleme bei der Handhabung des Virus durch meinen Mann bekannt gegeben worden.

Wie bereits in meinem ersten Beitrag erwähnt, sind die an der „Influenza“ erkrankten Insassen nach wie vor mit den gesunden Personen auf den jeweiligen Stationen unter Einschluss. Das heißt, ein jeder dieser Station kommt spätestens beim Duschen mit den Viren in Verbindung, da diese defintiv nicht desinfiziert werden. Auf diesen Etagen, gibt es Zellen mit jeweils 3 Personen. Gefangene dieser Zellen, berichten darüber, das die infizierten mit den anderen in ein und der selben Bude schlafen müssen, was das Infektionsrisiko nicht gerade minimiert. Der einzige Unterschied, alle die keine „Influenza“ haben, dürfen sich weiter frei auf der Station und dem Freihof bewegen. Das heißt es besteht genug Zeit um sich anzustecken und die Möglichkeit, die Bakterien auf dem Weg zum Freihof, bei dem sie unter Umständen über andere Stationen gehen müssen, zu verbreiten. Sollten sich dort die Gefangenen nicht infizieren, geschieht das wohl spätestens bei der Arbeit oder beim gemeinsamen Essen im Speisesaal.

Bei einer Unterhaltung mit einem Vollzugsbeamten, hinterfragte mein Mann die „Vorbereitungen zur Quarantäne“. Und damit sind nicht die jetzigen unter Einschluss stehenden Stationen gemeint, denn laut Beamten sind die „vorbereiteten“ irgendwo an einem unbekannten Ort der JVA. Was will man auch erwarten, wenn nicht mal Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt wird, mit der Begründung es könnte als Genussmittel missbraucht werden. An und für sich eine verständliche, für mich teilweise belustigende Begründung.

Allerdings wegen einer kriminellen oder nicht in der Gesellschaft vertretbaren Vergangenheit, die Möglichkeit verwehren, sich wenigstens ein bisschen zu schützen? Ein anderes Wort als Menschenunwürdig fällt mir dazu nicht ein! Ich glaube in solchen Ausnahmezuständen ist so ziemlich jeder der Männer einfach nur darauf fokussiert gesund zu bleiben.

Wie man sich vorstellen kann, herrscht eine angespannte Atmosphäre in Untermaßfeld, weil keiner so wirklich aufgeklärt wird. Seit Tagen wird von der Influenza gesprochen, jedoch wurde in den insgesamt fast 12 Jahren Haft meines Mannes in noch keiner JVA von Quarantänemaßnahmen gesprochen wegen einer einfachen Grippe, noch nicht einmal bei einer Krätzewelle. Wobei, woher soll auch jemand wissen, das es sich um Covid-19 handeln könnte, wenn der Arzt einen Coronatest untersagt, mit der Aussage er würde das sehen wenn es einer hat. Humor hat er ja, mal abwarten wie es mit seiner Selbstironie aussieht, wenn man seine Wenigkeit in einer der extra eingerichteten „Quarantänezelle“ auschließlich für die Beamten unterbringen muss.

Wie bereits erwähnt, sind das die einzigen Vorbereitungen, die in Untermaßfeld in Sache Corona und Quarantäne getroffen wurden. Die Mitarbeiter sind täglich in der Freiheit unterwegs und gehen täglich in der JVA ein und aus, das bedeutet ein Besuchsverbot verhindert nicht, das Covid-19 „mitgebracht“ werden kann. Nicht jetzt und auch nicht am 20. April. Gerade in so einer Krise, gibt es doch nichts wertvolleres, als seine liebsten um sich herum zu haben, auch wenn es nur für ein paar Stunden im Monat ist. Keinem Menschen sollte Liebe entzogen werden!!

Alles in allem gibt es letztendlich keine ideale oder bessere Alternative, als zumindest eine Haftaussetzung. Es muss etwas passieren, am besten gestern und nicht erst wenn es dann doch offiziell Coronaerkrankte gibt.

Mit freundlichen Grüßen, bleiben Sie gesund!

Sophie

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  • Als Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organiation (GG/BO) in Jena unterstützen wir die inhaftierten Gewerkschafter_innen in Haftanstalten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern. Andere Soli-Gruppen gibt es in Berlin, Leipzig, Köln und Nürnberg.