Angehörige fordern Freilassung der Inhaftierten

Die Solidaritätsgruppen der Gefangenen-Gewerkschaft haben in den letzten Tagen verstärkt Kontakt zu Angehörigen und Freunden von Inhaftierten, die sich große Sorgen um ihre Liebsten machen. Sie fordern alle die Freilassung der Gefangenen. Wir veröffentlichen in Absprache mit der Angehörigen eines Inhaftierten aus der JVA Untermaßfeld den folgenden Forderungsbrief, den sie am 18. März 2020 an das Thüringer Justizministerium geschickt hat.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen diese Mail da mich dieses Thema sehr beunruhigt und nicht mehr schlafen lässt.

Ich bin Mutter von 3 Kindern und mein Verlobter und Papa der 3 Kinder befindet sich derzeit in der JVA Untermaßfeld. Alle 14 Tage waren wir zu Besuch bei ihm was ja nun leider wegen Corona nicht mehr möglich ist. Uns bleiben nur noch die abendlichen kurzen Telefonate in denen mein Verlobter mit erzählt wie schlimm es seit Corona in der JVA ist und ich erzähle ihm was hier draußen passiert.

Aber nun zu dem Grund warum ich mich an Sie wende: Wie kann es denn sein, dass es mittlerweile über 20 Personen gibt, welche unter Corona-Verdacht stehen? Wie kann es sein, dass keinerlei Maßnahmen getroffen werden um die gesunden Häftlinge zu schützen? Warum scheint unter den „Infizierten“ ein Mitarbeiter aus der Haftküche zu sein? Wieso werden gesunde Häftlinge dem Virus einfach ausgesetzt? Warum werden nicht regelmäßig Türklinken, Essenslugen,… desinfiziert. Justizbeamte dürfen rein und raus und werden in Stichproben mit Fieberthermometer kontrolliert?! Wenn ein Wärter Fieber hat ist er ja schon eine Weile infiziert und hat 100% schon eine gewisse Menge an Keimen in der JVA verteilt.

Es ist einfach schrecklich wie mit Gefangenen umgegangen wird. Ich lebe jeden Tag mit der Angst, dass mein Verlobter sich anstecken könnte da ja nichts dort passiert. Ich fordere dass Aussetzen der Haftstrafen für Häftlinge unter einem Jahr welche nicht wegen Mord oder schlimmeren ihre Strafe absitzen müssen. Die Menschen können sich hier draußen besser schützen als es da drin jemals möglich wäre. Zumal ja große Menschenansammlungen vermeidet werden sollen und so etwas in einer Haftanstalt nicht möglich ist.

Denken Sie mal an die Familien hier draußen und vergessen sie nicht, dass auch Gefangene nur Menschen sind!!!

Mit freundlichen Grüßen aus Erfurt

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  • Als Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organiation (GG/BO) in Jena unterstützen wir die inhaftierten Gewerkschafter_innen in Haftanstalten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern. Andere Soli-Gruppen gibt es in Berlin, Leipzig, Köln und Nürnberg.