Nachruf auf Gefangenen aus der JVA Rosdorf – erhängt und totgeschwiegen

Zu Silvester 2019 hat sich ein Gefangener aus der JVA Rosdorf das Leben genommen. Er hat sich in seiner Zelle erhängt. In den Medien fand sein Tod keine Erwähnung.

Dieser sinnlose Tod hätte durch Entlassung und eine entsprechende Therapie verhindert werden können – wie der Tod so vieler psychisch belasteter Gefangener! Jans Selbstmord ist nicht vergessen und wir werden uns auch in seinem Andenken für die Freilassung und Behandlung der Gefangenen einsetzen.

Und machen wir uns nichts vor: Es ist zu erwarten, dass bei der anstehenden corona-bedingten Gesundheitskatastrophe im Strafvollzug und bei der verschärften Isolation durch die verhängten Besuchseinschränkungen und -verbote noch viel mehr Gefangene an ihren Krankheiten oder durch Suizid sterben müssen. Deswegen setzt sich die GG/BO derzeit für die massenhafte Freilassung der Gefangenen ein. Retten wir Leben!

Als Nachruf geben wir den Bericht eines Mitgefangenen wieder:

„Was die Suizide betrifft, kann ich dir von einem Suizid berichten, der tatsächlich in einer nahegelegenen Zelle vom 31.12.2019 auf den 1.1.2020 durch Erhängen stattfand.

Der Mann wurde, obwohl nachweislich (wirklich nachweislich! Kein Gerücht o.ä.) depressiv, einige Tage vor Heiligabend 2019 auf eine Einzelzelle verlegt. Davor befand er sich in monatelang auf einer sog. „Kamerazelle“, da er als massiv suizidal, s.o., eingestuft wurde. Erstaunlich, nicht wahr? Genauso erstaunlich, dass es, meines Wissens nach, in KEINER der medien mit auch nur einem Wort erwähnt wurde. Jan […] heiß der Junge, Zelle 33/4/JVA Rosdorf. Vielleicht kannst du ja eventuell sowas wie einen Nachruf, möglichst vor breiter Öffentlichkeit für ihn formulieren?“

Jena, 23. März 2020

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