Wieder ein Selbstmord in der JVA Tonna

Wie in der Presse zu lesen war, hat sich am 3. April ein Häftling in Tonna das Leben genommen. Er befand sich seit Februar 2018 in Haft. Der letzte Selbstmord in Tonna liegt erst ein gutes Jahr zurück. Dieser Todesfall reiht sich in die bundesweite Statistik ein, nach der jährlich durchschnittlich über 70 Gefangene erfolgreich einen Suizid begehen. Damit stirbt wöchentlich mindestens ein Gefangener in einer bundesdeutschen Haftanstalt.

An dieser Stelle wollen wir als Solidaritätsgruppe der GG/BO darauf hinweisen, dass der Begriff Selbstmord leicht irreführend ist. Die Gefangenen bringen sich nicht einfach “selbst” um. Sie wählen den Tod aufgrund der Situation, der sie von Seiten des Staats und der Gesellschaft ausgesetzt werden: Isolation, unbehandelte psychische Krankheiten wie z.B. Depression, keine Zukunftsperspektiven und viele weitere. Insofern handelt es sich bei diesen Selbstmorden um Todesopfer unserer Knast- und Strafgesellschaft.

GG/BO-Soligruppe Jena

April 2018

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  • Als Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organiation (GG/BO) in Thüringen unterstützen wir die inhaftierten Gewerkschafter_innen in den thüringischen Haftanstalten und sind Teil der bundesweiten und interationalen GG/BO. Andere Soli-Gruppen gibt es in Berlin, Leipzig, Köln und Wien.