Kampagne zur Unterstützung von David Hahn und der Gefangenengewerkschaft in der JVA Untermaßfeld

von der GG/BO-Soligruppe Jena, 2. Februar 2016
Liebe Gefangene, Gewerkschafter_innen, Freund_innen, Genoss_innen und andere solidarische Menschen! Wie wir in unserem Text vom 21. Januar beschrieben haben, nimmt die Repression gegen unseren Sprecher in der JVA Untermaßfeld, David Hahn, kein Ende. Aktuell (entsprechend seinem Brief vom 25. Januar 2016) sieht die Situation nach seiner Verweigerung einer schickanösen Urinprobe vom Dezember 2015 wie folgt aus:
  • Der Besuchsantrag eines Unterstützers wurde zwei Monate verschleppt und vom LKA untersucht.
  • David hat Ende Dezember und von Anfang Januar bis zum 2. Februar mehrere Wochen im Einschluss verbracht, einige davon in einer Zelle ohne Tisch. Er musste auf dem Boden Briefe schreiben und im Stehen essen.
  • Während des Einschlusses, also bis zum 2. Februar, hatte er vier Wochen lang kein Fernsehen.
  • Er hat Telefonverbot bis 17. März 2016.
  • Bis 17. März 2016 darf er Besuch nur mit Trennscheibe empfangen.
  • Seine Post wird strengstens kontrolliert und zensiert. Aus Briefen wurden mehrfach Materialien entnommen, darunter Sticker von uns und ein Grußwort von David zur einer Veranstaltung vom 2. November 2015.
  • Er hat einen Paketschein beantragt, damit wir ihm Material und Bücher schicken können. Die Gefängnisleitung hat diesen vorausgefüllt, so dass wir ihm lediglich 10 Unterhosen und 10 paar Socken zuschicken können und sabotiert damit den Austausch von Informations-Materialien.
  • Seit neuestem wird ein Teil seines Taschengelds einbehalten. Ihm stehen damit nur noch 12€ im Monat zur Verfügung.
  • Ihm wird eine Arbeitsstelle und damit die einzige Möglichkeit, ein bisschen Geld dazu zu verdienen, verweigert.
David wehrt sich gegen all diese Schikanen. Nachdem er im Dezember eine schikanöse Urinprobe verweigert hat, hat er vom 14. zum 15. Januar einen eintägigen Hungerstreik durchgeführt. Er bleibt rebellisch, setzt die gewerkschaftliche Arbeit und den Widerstand gegen die Disziplinierung im Knast unbeirrt fort. Wir unterstützen ihn dabei!
Deswegen fordern wir gemeinsam mit David:
  • Schluss mit den schikanösen Urinkontrollen!
  • Schluss mit dem Telefonverbot!
  • Weg mit der Trennscheibe!
  • Schluss mit der Postzensur!
  • Wir wollen ihm Bücher und Hefte schicken. Und dafür wollen wir den passenden Paketschein!
  • Gebt David das volle Taschengeld wieder!
  • Volle Anerkennung der GG/BO als Gewerkschaft der inaftierten Arbeiter_innen und Schluss mit der Repression gegen sie!
Und zwar sofort, auf Dauer und nicht nur für David, sondern für alle Gefangenen, die von ähnlichen Maßnahmen betroffen sind!
Wir rufen alle solidarischen Menschen, egal ob hinter Gittern oder in der “Freiheit” der Knastgesellschaft, dazu auf, David Hahn und die Gefangenengewerkschaft vielfältig zu unterstützen:
1. Macht den Kampf von David und der anderen Gefangenen in der JVA Untermaßfeld in euren Städten, Vierteln, Knästen und Trakten bekannt!
2. Schreibt David Briefe! Er ist Sprecher der Gefangenengewerkschaft und Antifaschist und freut sich über Solidaritätsadressen, Infos, Berichte von Aktionen und Texte.
David Hahn
GG-Sprecher Untermaßfeld
Karl-Marx-Straße 8
98617 Untermaßfeld
3. Meldet euch bei der Gefängnisleitung von Untermaßfeld und unterstützt die Forderungen und fragt, wann die Behörden ihren Repressionskurs endlich einstellen werden. Je mehr Menschen sich melden, desto größer wird der Druck. Hier die Kontaktdaten der JVA Untermaßfeld:
Telefon: 036949/26-0
Fax: 036949/26-261
E-Mail: poststelle@jvaumf.thueringen.de
Postanschrift: Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld / Karl-Marx-Straße 8 / 98617 Untermaßfeld
4. Meldet euch beim Thüringer Justizministerium und macht den Politiker_innen und Bürokrat_innen Druck! Hier die Kontaktdaten:
Telefon: 0361-37 95 000
Fax: 0361-37 95 888
E-Mail: poststelle@tmmjv.thueringen.de
Postanschrift: Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz / Werner-Seelenbinder-Straße 5 / 99096 Erfurt
5. Macht den Parteien Druck, die zurzeit den thüringischen Staat und seine Knäste verwalten: Linkspartei, Grüne und SPD! Ihr könntet z.B. dem Richter und Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz Dieter Lauinger (Grüne) an dieter.lauinger@gruene-thueringen.de schreiben. Oder das nächstgelegene Parteibüro besuchen und mit kreativen Aktionen auf die Weiterleitung unserer Forderungen bestehen.
6. Wir würden uns auch sehr über Solidaritätsaktionen freuen – vom Banner, über eine Kundgebung bis zur Demo und Intervention ist alles möglich!
7. Stärkt die Gefangenenbewegung und die Gefangenengewerkschaft bei euch vor Ort! Die GG/BO ist in den Knästen schnell angewachsen, mehrere kleinere Kämpfe haben in den letzten Monaten stattgefunden (Hungerstreik in der JVA Butzbach, Hungerstreik von Georg Huß, Hungerstreik von David Hahn und viele andere) und die Repression ist hoch. Es ist jetzt an uns, uns mit den inhaftierten Arbeiter_innen solidarisch zu zeigen und ihre Widerstände zu verteidigen, denn die gesellschaftliche Institution Knast betrifft uns alle!
Prisoners’ Power!
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  • Als Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organiation (GG/BO) in Jena unterstützen wir die inhaftierten Gewerkschafter_innen in Haftanstalten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern. Andere Soli-Gruppen gibt es in Berlin, Leipzig, Köln und Nürnberg.