Der Gefangenenwiderstand in der JVA Tonna lässt sich weder weg- noch kleinreden: Gebt endlich ordentliches Essen aus!

Von der GG/BO-Soligruppe Jena, 6. September 2016

Seit Ende Juli 2016 protestieren Häftlinge in der thüringischen JVA Tonna gegen die schlechte Essensvergorgung. Über Hundert von ihnen verweigern seitdem das Mittagessen. Wir haben davon bereits am 1. und 10. August 2016 berichtet und am 23. August den solidarischen Brief des GG/BO-Sprechers der JVA Untermaßfeld David Hahn veröffentlicht.

In der Thüringer Allgemeine Zeitung vom 12. August 2016 heißt es dann: „Widersprüchliche Angaben zum Hungerstreik in Gräfentonna. Laut Justizministerium protestieren gerade einmal 13 Häftlinge – die Gefangengewerkschaft spricht dagegen von 200.“ Die Anstaltsleitung versucht also offensichtlich, den Protest und seine Ausmaße kleinzureden.

In Reaktion darauf haben Mitglieder der Gefangenengewerkschaft in der JVA Tonna einen Brief an die Anstaltsleitung verfasst und einen offenen Brief samt Unterschriftenliste mit 78 Namen ans Justizministerium geschickt. Darin widerlegen sie die Darstellung der JVA Tonna gegenüber der Presse und stellen klar: Die Nahrungsversorgung bleibt miserabel – es gibt nicht wie seitens der JVA behauptet 6 Mittagsmenüs zur Auswahl, die nun zur Verfügung gestellten Gewürze beschränken sich auf Salz und Gemüsebrühe und die Portionen des Abendessens wurden nicht vergrößert. Es sind, wie aus der Unterschriftenliste zu entnehmen, mindestens 78 Häftlinge, die weiterhin das Mittagessen verweigern. Die Gefangenen fordern die Anstaltsleitung auf, die gegenüber der Presse getätigten Versprechungen in die Tat umzusetzen:

„1. Freie Auswahl des Mittagessens aus sechs verschiedenen Menüs.

2. Portionsvergrößerung des Abendessens (ausreichend sind beispielsweise schon 200g Wurst/Käse, anstatt wie bisher nur 100g Aufschnitt).“ (zitiert aus dem Brief eines Gefangenen-Gewerkschafters aus der JVA Tonna an die Anstaltsverwaltung)

Als Jenaer Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft stellen wir uns hinter ihre Forderungen. Die Anstaltsleitung denkt, mit den Häftlingen könne sie alles machen, könne sie mit Catering-Fraß abspeisen, so auf Kosten der Gesundheit der Häftlinge Geld sparen und keiner würde das merken. Sie hat die Rechnung erst ohne den Widerstand der Gefangenen gemacht und dann versucht, die widerständigen Häftlinge über Drohungen und Absonderung einzuschüchtern. Der Protest wird jedoch weiter anhalten und sich ausweiten, bis den zwei Forderungen nachgegeben wird.

Ihr könnt den Kampf um anständiges Essen unterstützen. Schreibt gerne den Sprechern der GG/BO in der JVA Tonna:

Maik Büchner
GG-Sprecher JVA Tonna
Im Stemker
99958 Tonna

Sascha Kelle
stellv. GG-Sprecher JVA Tonna
Im Stemker
99958 Tonna

Bei Nachfragen und für mehr Infos sind wir erreichbar unter ggbo-soli-jena [ät] riseup [punkt] net.

Wir geben im folgenden den Offenen Brief wieder, der von 78 Häftlingen unterzeichnet wurde. Der Brief und die vollständige Unterschriftenliste liegen uns als Kopien vor.

„Justizministerium
Tonna, den 17.08.2016
Werner-Seelbinder Str. 5
99084 Erfurt

Insassen der JVA Tonna
Im Stemker 04
99958 Tonna

Betreff: Richtigstellung des Zeitungs- und TV-Ausschnitts aus der Sicht der Gefangenen

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit wollen die Gefangenen auf den Zeitungsausschnitt vom 04.08.2016 und dem TV-Ausschnitt am 05.08.2016 aufmerksam machen, da er nicht der Wahrheit entspricht. Daher wollen wir durch eine Unterschriftensammlung auf uns aufmerksam machen und einige Dinge richtig stellen. In dem Bericht wurde gesagt, dass wir Gewürze von der Anstaltsleitung bekommen; allerdings bestehen die aus Salz und Gemüsebrühe. Es sind auch Aussagen von der Anstaltsleitung gekommen, dass wer nicht isst, der darf auch nicht zur Arbeit gehen oder es wurden auch Gefangene abgesondert, damit andere wieder essen. Dann gab es noch einen Aushang in jedem Haus, dass das Essen nur deshalb nach Alu schmecke, weil es durch die Zahnfüllung komme. Das sind doch keine Maßnahmen, um mit den Gefangenen im Gespräch zu bleiben, wie man jetzt nun weiterverfahren will, um dieses Essensproblem zu klären.

Dieses Schreiben geht einmal an Sie, die Thüringer Allgemeine und an die Gefangenengewerkschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Insassen der JVA Tonna“

Offener Brief Tonna

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  • Als Solidaritätsgruppe der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organiation (GG/BO) in Jena unterstützen wir inhaftierte Arbeiter:innen und Gewerkschafter:innen und staatlich Verfolgte in verschiedenen Haftanstalten, vor allem in Thüringen und Sachsen. Andere Soli-Gruppen gibt es in Leipzig und Köln.